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Modellierung digitaler Geschäftsmodelle: Warum neue Methoden gebraucht werden

11. März 2026 durch
Modellierung digitaler Geschäftsmodelle: Warum neue Methoden gebraucht werden
Steinbeis-Beratungszentrum Electronic Business (SBZEB)

Digitale Geschäftsmodelle gewinnen in nahezu allen Branchen an Bedeutung. Gleichzeitig steigt ihre Komplexität – und damit der Bedarf an geeigneten Methoden, um sie verständlich, vergleichbar und weiterentwickelbar zu machen. In einer am Institut für Wirtschaftsinformatik (IWI) der Hochschule Heilbronn enstandenen Arbeit wurde genau diese Frage untersucht: Welche Modellierungsmethoden eignen sich für digitale Geschäftsmodelle – und welche Eigenschaften müssen sie erfüllen?

Der Beitrag fasst zentrale Erkenntnisse dieser Work in Progress Studie zusammen und zeigt, wohin die Forschung sich weiterentwickelt.


Warum digitale Geschäftsmodelle neue Anforderungen stellen


Geschäftsmodelle lassen sich aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten – strategisch, ressourcenorientiert oder transaktionsbasiert. Die Studie orientiert sich an der Definition von Osterwalder, nach der ein Geschäftsmodell beschreibt, „welchen Wert ein Unternehmen Kunden bietet, wie dieser erzeugt wird und welche finanziellen Konsequenzen daraus entstehen“.

Digitale Geschäftsmodelle unterscheiden sich jedoch deutlich von klassischen Modellen:

  • Sie basieren stärker auf Daten, Software und digitalen Plattformen.

  • Sie erfordern iterative Weiterentwicklung.

  • Sie setzen auf Kooperation und Interaktion mit Kunden.

  • Sie müssen digitale Transformation (DT) explizit abbilden können.


Damit steigen die Anforderungen an Modellierungsmethoden erheblich.


19 Methoden identifiziert – aber nur 12 nutzbar


Im Rahmen einer systematischen Literaturanalyse wurden 19 Modellierungsmethoden gefunden, die sich mit digitalen Geschäftsmodellen beschäftigen. Dazu zählen u. a.:

  • Business Model Canvas (BMC)

  • Business Model Navigator (BMN)

  • Digital BMC

  • Co‑Creation Canvas

  • Lean Canvas

  • Frameworks für Industrie 4.0

  • Methoden zur Entwicklung datenbasierter Geschäftsmodelle


Auffällig ist, dass nur wenige Methoden mehrfach in der Literatur empfohlen werden – insbesondere das BMC und der BMN. Beide sind jedoch nicht speziell für digitale Geschäftsmodelle entwickelt, sondern wurden ursprünglich für klassische Geschäftsmodelle konzipiert.

Welche Eigenschaften gute Modellierungsmethoden erfüllen müssen


Aus der Analyse wurden zentrale Eigenschaften abgeleitet, die für digitale Geschäftsmodelle besonders relevant sind. Dazu gehören:


1. Digitalisierung & Transformation

Methoden müssen digitale Wertschöpfung, Datenflüsse und technologische Abhängigkeiten abbilden können.

2. Iterative Weiterentwicklung

Digitale Geschäftsmodelle verändern sich schnell – Modellierungsmethoden müssen diese Dynamik unterstützen.

3. Kooperation & Kundeninteraktion

Die Studie betont die Bedeutung von Co‑Creation und enger Einbindung von Kunden, was eine klare Abgrenzung zu klassischen Methoden darstellt.

4. Vergleichbarkeit & Analyse

Methoden sollten sowohl Status-Quo Analysen als auch Zielbilder ermöglichen.

5. Unterstützung durch digitale Tools

Einfache digitale Modellierungswerkzeuge erleichtern die Anwendung und erhöhen die Transparenz.

Diese Eigenschaften wurden in einem Zwischenartefakt strukturiert, das als Grundlage für die weitere Forschung dient.


Wohin die Forschung sich weiterentwickelt


Die Arbeit beantwortet bereits die erste Forschungsfrage (Good Practices) und liefert erste Ergebnisse zur zweiten Frage (Eigenschaften). Die nächsten Schritte umfassen:

  • Erweiterte Literaturanalyse mit Fokus auf Eigenschaften

  • Experteninterviews und Fokusgruppen

  • Zuordnung der Eigenschaften zu den Modellierungsmethoden

  • Entwicklung eines Entscheidungstools, das Praktikern hilft, die passende Methode auszuwählen

  • Evaluation des finalen Modells


Ziel ist ein praxisnahes Werkzeug, das Unternehmen bei der Auswahl der richtigen Modellierungsmethode unterstützt – ein wertvoller Beitrag angesichts der zunehmenden Bedeutung digitaler Geschäftsmodelle.


Die vollständige Arbeit ist Teil des Bands 4, Anwendung Informationsmanagement, der Schriftenreihe Wirtschaftsinformatik und kann kostenlos über den Shop der Steinbeis Edition heruntergeladen werden:


Zum Download