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Reifegradmodelle in der IT-Governance: Warum sie für Unternehmen immer wichtiger werden

16. März 2026 durch
Reifegradmodelle in der IT-Governance: Warum sie für Unternehmen immer wichtiger werden
Steinbeis-Beratungszentrum Electronic Business (SBZEB)

Die Digitalisierung stellt Unternehmen und öffentliche Verwaltungen vor die Herausforderung, ihre IT-Strukturen strategisch, transparent und effizient zu steuern. Genau hier setzt die IT-Governance an: Sie definiert Grundsätze, Verfahren und Verantwortlichkeiten, um IT-Ressourcen sinnvoll einzusetzen und Risiken zu kontrollieren. Doch wie lässt sich der Entwicklungsstand einer Organisation in diesem Bereich zuverlässig bestimmen?

Eine aktuelle wissenschaftliche Arbeit liefert dazu eine systematische Übersicht über Reifegradmodelle der IT-Governance – Modelle, die Unternehmen helfen, ihren Status quo zu bewerten und gezielt weiterzuentwickeln.


Warum Reifegradmodelle relevant sind


Reifegradmodelle beschreiben Entwicklungsstufen von Prozessen oder Organisationen. Sie ermöglichen:

  • eine objektive Standortbestimmung,

  • Benchmarking mit anderen Organisationen,

  • die Ableitung konkreter Verbesserungsschritte,

  • die Planung von IT-Strategien und Transformationsprojekten.


Ein Reifegradmodell enthält eine Folge von Reifegraden, die die Entwicklungsstufen eines Unternehmens repräsentieren.“

Diese Modelle unterstützen Unternehmen dabei, von unstrukturierten Abläufen hin zu optimierten, messbaren und kontinuierlich verbesserten Prozessen zu gelangen.


Vorgehen der Analyse


Die Arbeit basiert auf einer systematischen Literaturanalyse nach etablierten wissenschaftlichen Methoden. Untersucht wurden:

  • Fachjournale

  • Konferenzbeiträge

  • wissenschaftliche Bücher

  • deutsch- und englischsprachige Quellen

Aus insgesamt 162 Treffern wurden nach Qualitätsprüfung 24 relevante Publikationen ausgewählt und in einer Konzeptmatrix ausgewertet.


Die identifizierten Reifegradmodelle


Insgesamt wurden 11 Reifegradmodelle der IT-Governance identifiziert:

  • BPMM – Business Process Management Maturity

  • CMM – Capability Maturity Model

  • CMMI – Capability Maturity Model Integration

  • DPMM – Document Process Maturity Model

  • eMM – E‑Learning Maturity Model

  • IS/ICT – Information Systems / Information Communication Technology

  • ITPM – IT Performance Measurement Maturity Model

  • COBIT – Control Objectives for Information and Related Technology

  • ITIL – IT Infrastructure Library

  • IT‑BSC – IT Balanced Scorecard Maturity Card

  • SPICE – Software Process Improvement and Capability Determination

Besonders häufig erwähnt wurden COBIT, CMMI, CMM und ITBSC, weshalb diese Modelle in der Arbeit vertieft beschrieben werden.


Vier Modelle im Fokus


COBIT

Das am häufigsten zitierte Modell. Es bewertet die IT-Organisation anhand von 34 Prozessen in vier Domänen. Die Reifegrade reichen von „Non existent“ bis „Optimized“ und zeigen, wie gut Prozesse definiert, gemessen und verbessert werden.


CMMI

Eine Weiterentwicklung des ursprünglichen CMM. Es dient der Bewertung und Optimierung von Geschäftsprozessen und umfasst fünf Reifegrade – von “Initial” bis “Optimized”. Ziel ist es, Prozesse messbar, steuerbar und kontinuierlich verbesserbar zu machen.


IT‑BSC

Basierend auf der Balanced Scorecard erweitert dieses Modell die Perspektive auf IT-Leistungen. Es integriert strategische und operative IT-Kennzahlen und entwickelt sich von ersten Messansätzen bis zur vollständig strategisch verankerten Scorecard.


CMM

Ein Klassiker unter den Reifegradmodellen. Es bewertet die Prozessreife anhand von fünf Stufen und nutzt strukturierte Assessments, um Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten.


Fazit und Ausblick


Die Analyse zeigt deutlich: Reifegradmodelle sind ein wertvolles Instrument, um IT-Governance strukturiert weiterzuentwickeln. Unternehmen erhalten damit Orientierung, Transparenz und eine Grundlage für strategische Entscheidungen.

Gleichzeitig weist die Arbeit darauf hin, dass die Ergebnisse aufgrund des breiten Suchzeitraums nicht vollständig repräsentativ sein können. Für zukünftige Forschung wird empfohlen:

  • Suchbegriffe enger zu definieren,

  • weitere Modelle einzubeziehen,

  • und bestehende Modelle tiefergehend zu vergleichen.

Für Organisationen, die ihre IT-Governance professionalisieren möchten, bietet die Übersicht jedoch bereits heute eine solide Grundlage.


Die vollständige Arbeit ist Teil des Bands 2, Forschung Informationsmanagement, der Schriftenreihe Wirtschaftsinformatik und kann kostenlos über den Shop der Steinbeis Edition heruntergeladen werden:


Zum Download