Unternehmen stehen unter enormem Veränderungsdruck: Märkte wandeln sich schneller, Kundenerwartungen steigen, Innovationen müssen in immer kürzeren Zyklen umgesetzt werden. Eine klare, gut strukturierte Strategie ist deshalb kein „Nice-to-have“, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor. Doch wie entwickelt man eine solche Strategie systematisch und wirksam?
Eine umfassende Literaturrecherche zu aktuellen Vorgehensmodellen der Strategieentwicklung zeigt: Es gibt zahlreiche Ansätze – von kompakten Drei-Phasen-Modellen bis hin zu hochdetaillierten Zwölf-Schritte-Prozessen. Trotz ihrer Unterschiede lassen sich klare Muster, Trends und Erfolgsfaktoren erkennen, die für Organisationen jeder Größe relevant sind.
Warum strukturierte Strategieentwicklung heute wichtiger ist denn je
Unternehmen
müssen Entscheidungen unter Unsicherheit treffen,
Interessenskonflikte moderieren und gleichzeitig langfristige Ziele
definieren. Viele Herausforderungen entstehen, weil:
Ziele oft unklar oder schwer messbar sind
zu wenige Perspektiven in den Prozess einbezogen werden
Entscheidungen auf Basis von Annahmen statt fundierter Analysen getroffen werden
Strukturierte Vorgehensmodelle schaffen hier Orientierung. Sie helfen, den Prozess nachvollziehbar zu gestalten, Entscheidungen zu fundieren und strategische Maßnahmen konsequent abzuleiten.
Was die Analyse von 13 etablierten Vorgehensmodellen zeigt
Die
untersuchten Modelle unterscheiden sich stark in Umfang, Detailtiefe
und Zielgruppe. Einige richten sich speziell an KMU, andere an global
agierende Unternehmen. Dennoch lassen sich gemeinsame Grundelemente
erkennen.
1. Jede Strategie beginnt mit einer fundierten Ist-Analyse
Fast alle Modelle starten mit einer Analyse interner und externer Faktoren: Märkte, Wettbewerb, Kunden, Produkte, Prozesse, Ressourcen. Tools wie SWOT, PEST, Szenarioanalyse oder Porter’s Five Forces werden häufig empfohlen.
2. Vision, Mission und Werte bilden den Zielrahmen
Die Soll-Position eines Unternehmens wird über Vision, Mission und Werte definiert. Sie geben Orientierung und schaffen ein gemeinsames Verständnis für die strategische Ausrichtung.
3. Strategische Optionen werden entwickelt und bewertet
Viele Modelle sehen eine Phase vor, in der unterschiedliche strategische Wege entwickelt, verglichen und priorisiert werden.
4. Workshops spielen eine immer größere Rolle
Strategieworkshops gelten als zentrales Element, um Wissen zu bündeln, Perspektiven einzubeziehen und Commitment zu schaffen.
5. Umsetzung und Monitoring werden zunehmend integriert
Einige Modelle beziehen die Umsetzung bereits in den Entwicklungsprozess ein – inklusive Maßnahmenplanung, Roadmaps und Monitoring. Hier kommt häufig die Balanced Scorecard zum Einsatz.
Unterstützende
Tools: Balanced Scorecard und SWOT
Balanced Scorecard
Ein bewährtes Instrument zur Strategieumsetzung. Sie übersetzt Vision und Strategie in konkrete Ziele und Kennzahlen aus vier Perspektiven:
Finanzen
Kunden
Interne Prozesse
Potenziale / Lernen & Entwicklung
Sie
dient als Brücke zwischen strategischer und operativer Ebene.
SWOT-Analyse
Ein Klassiker der strategischen Analyse. Sie strukturiert:
Stärken
Schwächen
Chancen
Risiken
Die SWOT eignet sich besonders gut für die frühe Phase der Strategieentwicklung und wird in vielen Modellen explizit empfohlen.
Trends in der Strategieentwicklung
Die
Literatur zeigt klare Entwicklungen:
Weg von statischen Modellen – hin zu dynamischen, flexiblen Prozessen
Mehr Fokus auf Zukunftsorientierung statt reiner Vergangenheitsanalyse
Zunehmende Bedeutung von Workshops und kollaborativen Formaten
Stärkere Integration von Tools zur Umsetzung und Erfolgsmessung
Wachsende Relevanz von Kreativität und Innovation im Strategieprozess
Fazit: Was Organisationen daraus mitnehmen können
Die
Analyse macht deutlich: Es gibt nicht das
eine
perfekte Vorgehensmodell. Entscheidend ist, dass der Prozess:
strukturiert, aber flexibel ist
Analyse und Kreativität verbindet
Mitarbeitende einbindet
klare Ziele und Maßnahmen ableitet
ein Monitoring vorsieht
Für KMU, öffentliche Einrichtungen und Organisationen, die ihre strategische Ausrichtung schärfen wollen, bieten die beschriebenen Modelle wertvolle Orientierung. Gleichzeitig zeigt sich, dass moderne Strategieentwicklung mehr ist als ein linearer Prozess: Sie ist ein lernender, iterativer und zunehmend kollaborativer Ansatz.
Die vollständige Arbeit ist Teil des Sammelbands 4, Forschung Informationsmanagement, der Schriftenreihe Wirtschaftsinformatik und kann kostenlos über den Shop der Steinbeis Edition heruntergeladen werden