Enterprise Architecture Management (EAM) ist für viele Unternehmen ein entscheidender Hebel, um komplexe IT‑Landschaften, Geschäftsprozesse und digitale Transformationsprojekte beherrschbar zu machen. Doch ein Problem zieht sich durch die Forschung und Praxis: Es existieren über 50 verschiedene Frameworks – aber keine einheitliche, praxistaugliche Taxonomie für EAM‑Werkzeuge.
Wer EAM‑Tools verstehen, vergleichen und sinnvoll einsetzen will, braucht eine strukturierte Klassifikation. Genau hier setzt eine Analyse des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Hochschule Heilbronn an:
Warum Taxonomien im EAM so wichtig sind
Unternehmen stehen vor massiven Herausforderungen: Cloud, IoT, Big Data, Industrie 4.0. Gleichzeitig sind IT‑Landschaften über Jahrzehnte gewachsen.
„Diese mit der Digitalen Transformation zu verbinden, erfordert größtes Knowhow.“
Eine gute Taxonomie schafft Ordnung: Sie zeigt, welches Tool welchen Zweck erfüllt, wie Frameworks voneinander abgegrenzt werden und welche Analyse‑ oder Modellierungsansätze sinnvoll kombinierbar sind.
Was die Literatur wirklich bietet – und wo die Lücken liegen
Die Analyse identifiziert mindestens sieben unterschiedliche Klassifizierungsansätze, darunter:
Tool‑Kataloge (z. B. ABACUS, ADOit, ARIS)
Framework‑basierte Taxonomien (Zachman, TOGAF, ARIS, DoDAF, FEAF, ArchiMate)
Klassifikationen nach Scope, Analyseanliegen, Modellierungssprache
Artefakt‑Typologien wie CSVLOD
EAM‑Archetypen, die unterschiedliche Organisationskontexte berücksichtigen
Spannend: Viele Taxonomien beschreiben Strukturen, Perspektiven oder Sichten – aber kaum die tatsächliche praktische Nutzung der Werkzeuge.
„Keiner versucht die existierenden Taxonomien […] auf der Grundlage ihrer beabsichtigten Verwendung und Zweck […] zu organisieren.“
Forschungsbedarf: Anwendung statt Theorie
Die Analyse zeigt deutlich: Es fehlt Forschung zur praktischen Anwendung von Taxonomien – insbesondere zu Kommunikation, Beteiligung und Qualifizierung der Stakeholder. Auch die Abgrenzung zwischen Taxonomien, Frameworks und EAM‑Modellen ist noch unklar.
Fazit: EAM braucht weniger Frameworks – und mehr Orientierung
Die EAM‑Toollandschaft ist fragmentiert und zeigt gleichzeitig Wege auf, wie Unternehmen durch klare Klassifikationen schneller entscheiden, besser kommunizieren und EAM wirksamer verankern können.
Eine strukturierte Taxonomie ist damit kein theoretisches Konstrukt, sondern ein strategisches Werkzeug, das Unternehmen hilft, digitale Transformation gezielt und effizient zu steuern.
Die komplette Analyse ist über unsere Schriftenreihe Wirtschaftsinformatik im Steinbeis-Verlag erschienen und steht als eBook der Unterreihe "Anwendung Informationsmanagement" steht zum kostenlosen Download Verfügung: